Geschichten aus Noordwijk aan Zee

Wie Noordwijk den Sommerurlaub kennenlernte

Vor hundert Jahren fuhr eine Familie nicht für ein kurzes Wochenende nach Noordwijk. Man packte Koffer aus, die Kinder richteten sich ein und der Sommer lag vor der Tür. Stadtfamilien blieben wochenlang, manchmal fast die ganze Saison. Die Noordwijker Gastgeber machten unterdessen Platz: Sie zogen in das kleine Sommerhaus hinten im Garten und überließen den Gästen das Wohnhaus.

Minimalistische Strichzeichnung eines Pferdes, das im späten 19. Jahrhundert eine hölzerne Badekutsche am Wasser entlang über den Noordwijker Strand zieht.

Mit Pferd und Badekutsche ins Meer

Noordwijks organisierter Badebetrieb begann 1866. Die Besucher stiegen in Straßenkleidung in eine hölzerne Badekutsche, zogen sich hinter der kleinen Tür um und blieben sitzen, während ein Pferd die Kutsche in die Brandung zog. Dort wartete ein Badeknecht und half beim verordneten Sprung ins Wasser. Das Meer galt als Kur; das Sonnenbad kam später.

1885 verband die Dampfstraßenbahn Leiden mit Noordwijk. Zwei Jahre später übernahm der deutsche Hotelier Heinrich Tappenbeck das Huis ter Duin. In seinem Adressbuch standen deutsche Adelsfamilien, die ihm an die niederländische Küste folgten. Deutsche Stimmen klangen schon am Strand, lange bevor die ersten Schilder mit ‘Zimmer frei’ in den Fenstern hingen.

Der Koffer blieb den ganzen Sommer

1888 entstanden die ersten privaten Sommervillen. Vierzig Jahre später zählte Noordwijk 50 Hotels und Pensionen, 128 Häuser und Apartments für Gäste sowie 89 Villen. Aus dem vornehmen Seebad war ein Ferienort für Familien geworden. Viele kehrten Jahr für Jahr an dieselbe Adresse zurück.

Alte Noordwijker Geschichten erzählen von Aufenthalten über sechs oder sogar acht Wochen. Eine Sommerreise war ein Umzug auf Zeit. Unser Wohnhaus am Duinweg stammt aus dem Jahr 1933. Die überlieferte Hausgeschichte erzählt von Stadtbewohnern, die hier den Sommer verbrachten. Nach dem Krieg wurde es zum dauerhaften Zuhause, wie viele Häuser, die rund um das Leben der Badestadt entstanden waren.

Die Gäste bekamen die besten Betten

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die deutschen Urlauber zurück. Hinter Noordwijker Fenstern hingen Schilder mit ‘Zimmer frei’ und ‘Zimmer mit Frühstück’. Sobald alle Zimmer belegt waren, rückte die Familie auf dem Dachboden, im Schuppen oder im Sommerhaus im Garten zusammen. Der zahlende Gast schlief im richtigen Bett.

Manche Reisebüros brachten einen ganzen Omnibus voller deutscher Familien und suchten für alle ein Quartier. Im Juni 1965 bot die Wiener Stube Renova ein Zimmer mit Frühstück für 8,50 Gulden pro Nacht an, zuzüglich fünfzehn Prozent. Die Urlauber brachten ihren Umsatz zu Bäckern, Gemüsehändlern und den vielen privaten Gastgebern hinter der Promenade.

Wolldecken am Strand im August

Der Fotograf Hans Steinmeier besuchte den Noordwijker Strand am 2. August 1966. Er fand fünf Urlauber unter gestreiften Wolldecken, geschützt von einem karierten Windschutz. Eine Frau liest ein Buch, links raschelt eine Zeitung und nackte Füße ragen in den Sand.

Das Bild zeigt den niederländischen Vertrag mit dem Wetter: Man kommt wegen des Meeres und bringt genug Wolle für den Nordseewind mit. Diese Gäste hatten Zeit. Ihr Zimmer gehörte ihnen auch am nächsten Morgen und noch einige Wochen länger.

Badegäste am Noordwijker Strand ruhen am 2. August 1966 unter gestreiften Wolldecken hinter einem Windschutz.
Badegäste am Noordwijker Strand unter Wolldecken, 2. August 1966. Foto: Hans Steinmeier / Anefo, Niederländisches Nationalarchiv, CC0.

Dann rückte Spanien näher

Pauschalreisen und günstigere Flüge gaben Familien in den 1960er- und 1970er-Jahren eine neue Wahl: Sonnengarantie am Mittelmeer. Die niederländischen Flughäfen zählten 1960 rund 1,45 Millionen Passagiere, 1972 schon 6,81 Millionen. Aus dem fernen Spanien wurde ein Urlaubsziel für normale Familien.

Damit änderte sich der Takt in Noordwijk. Aus vielen Wochen wurden vierzehn Tage, eine Woche oder ein paar Tage am Meer. Die Gäste kamen weiterhin, packten aber weniger aus und wollten mehr Freiheit. Hotels, Pensionen und private Vermieter stellten sich auf den kürzeren Besuch ein.

Ein kleines Haus findet neue Bewohner

Die Sommerhäuser hinter den Noordwijker Wohnhäusern übernahmen neue Rollen. Einige wurden zum Zuhause für Studierende, Berufseinsteiger oder Wohnungssuchende. Andere kehrten zur Ferienvermietung zurück, jetzt für kurze Aufenthalte statt einer ganzen Saison. Die kleinen Gebäude passten sich an, denn sie standen schon immer zwischen Wohnen und Urlaub.

Unser Sommerhaus empfängt heute zwei Gäste. Beide Etagen, der private Innenhof und die finnische Sauna gehören während des Aufenthalts ihnen. Ihre Koffer bleiben vielleicht nur wenige Nächte. Das alte Noordwijker Ritual lebt weiter: Tür schließen, zum Meer laufen und sich nach dem Takt des Strandes richten.

FAQ

Das Noordwijker Sommerhaus in Kürze

Warum gibt es in Noordwijk so viele Sommerhäuser?

Viele Einwohner bauten ein kleines Haus im Garten. Dort lebten sie während der Saison und vermieteten das Wohnhaus oder einzelne Zimmer an Badegäste.

Warum kamen so viele deutsche Gäste nach Noordwijk?

Deutsche Besucher machten Noordwijk seit dem späten 19. Jahrhundert als Seebad bekannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg füllten deutsche Stammgäste Hotels, Pensionen und Zimmer in privaten Wohnhäusern.

Wie alt ist das Haus von Romantic Wellness B&B?

Das Wohnhaus am Duinweg stammt aus dem Jahr 1933 und nähert sich seinem hundertsten Geburtstag. Laut der überlieferten Hausgeschichte nutzten Stadtbewohner es zuerst als Sommerhaus.

Kann man heute in einem Sommerhaus in Noordwijk übernachten?

Ja. Romantic Wellness B&B vermietet ein privates zweistöckiges Sommerhaus für zwei mit finnischer Sauna, eigenem Eingang und Innenhofgarten, rund zehn Gehminuten von Strand und Dünen entfernt.

Für alle, die mehr erfahren möchten